Episode Summary
Und: Wo ist der Meeresspiegel?
DK168 - Die Welt erhitzt sich schneller als gedacht
Und: Wo ist der Meeresspiegel?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 168 geht es um zwei grundlegende Themen. Um die globale Erwärmung, die schneller voranschreitet als wir bisher dachten. Und um den Anstieg des Meeresspiegels, bei dem wir die Lage bisher auch unterschätzt haben.
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Die Welt erwärmt sich schneller als gedacht
2023 und 2024 waren die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders 2024 sorgte für Aufmerksamkeit, weil die globale Durchschnittstemperatur erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag.
Schaut man auf die Entwicklung der globalen mittleren Oberflächentemperatur (Global Mean Surface Temperature, GMST), zeigt sich seit den 1970er Jahren ein konstanter Trend: Die Erde hat sich im Mittel um etwa 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt erwärmt. Natürlich verläuft dieser Anstieg nicht vollkommen glatt. Es gibt natürliche Schwankungen, die zeitweise den Eindruck erwecken können, die Erwärmung habe sich verlangsamt oder sei sogar zum Stillstand gekommen.
Wie schnell sich die Erde wirklich erwärmt: Genau dieser Frage sind Grant Foster und Stefan Rahmstorf in einer neuen Studie nachgegangen. Dafür haben sie eine ausführliche statistische Analyse von fünf globalen Temperaturdatensätzen durchgeführt: NASA, NOAA, HadCRU, Berkeley Earth und ERA5. Um das eigentliche Klimasignal klarer sichtbar zu machen, rechneten sie zunächst kurzfristige Einflüsse heraus, die das Temperatursignal überlagern: ENSO (also El Niño und La Niña), Vulkanausbrüche und Schwankungen der Sonnenaktivität. Dadurch wird das „Rauschen“ reduziert, ohne den langfristigen Trend künstlich zu erzeugen.
Anschließend testeten sie verschiedene statistische Modelle. Die Nullhypothese lautete: Seit 1970 lässt sich die GMST als linearer Erwärmungstrend plus Rauschen beschreiben. Dem gegenüber stellten sie zwei alternative Hypothesen. Erstens: Die Temperaturentwicklung folgt einer quadratischen Funktion plus Rauschen, was auf eine allmähliche Beschleunigung hindeuten würde. Zweitens: Die Entwicklung lässt sich besser als stückweise lineare Funktion beschreiben, also mit einem Zeitpunkt, an dem sich die Steigung – und damit die Erwärmungsrate – verändert.
Die Autoren betonen selbst, dass diese Modelle sehr unterschiedlich sind und gerade deshalb etwas Wichtiges zeigen: In der frequentistischen Statistik bedeutet „statistische Signifikanz“ nicht, dass ein bestimmtes Testmodell „bewiesen“ wäre. Sie bedeutet vielmehr, dass die Nullhypothese verworfen werden kann. Die beiden Alternativmodelle können nicht gleichzeitig exakt richtig sein – und sie zeichnen auch unterschiedliche Bilder davon, wie sich die Erwärmung im Detail entwickelt hat. Aber in einem zentralen Punkt stimmen sie überein: Die lineare Nullhypothese passt nicht mehr. Oder, wie die Autoren schreiben: Die Daten „zeigen eine große und signifikante Beschleunigung der globalen Erwärmung – unabhängig davon, welche statistische Methode verwendet wird.“
Besonders wichtig ist dabei: Selbst nachdem die außergewöhnlich warmen Jahre 2023 und 2024 um die Effekte von El Niño und das Sonnenmaximum bereinigt wurden, bleibt das Ergebnis bestehen. 2024 wird durch diese Korrektur sogar etwas kühler, 2023 minimal ebenfalls. Das heißt: Die gefundene Beschleunigung ist nicht einfach nur ein Artefakt einzelner Ausreißerjahre. Stattdessen spricht vie
